• Josef Frank

Planerversagen - Doppelstehfalzdach

Verwirklichen wollte sich offenbar ein Architekt mit der Planung eines „sägezahnartigen“ Blechdaches mit innenliegenden Grabenrinnen. Aufgrund immenser Wassereinbrüche nach einem Hagelschlag mit Stauwasser in den Grabenrinnen eines großen Daches, wollte der Eigentümer die Konstruktion seines Daches prüfen und die Ursache von mir klären lassen. Bei der Bauteilöffnung musste ich zum Leidweisen des Eigentümers feststellen und ihm erklären, dass nicht nur die Ablaufsituation mangelhaft, sondern das gesamte Dach nicht mehr gebrauchstauglich sei.





Dem mit der Planung des Daches beauftragten Architekten sind bei seiner Planung gleich mehrere Fehler unterlaufen, die gleichermaßen für die Schäden und Zerstörung des Daches verantwortlich waren, auf die ich in diesem Bericht jedoch nur kurz eingehen kann. Im Einzelnen waren dies:


  • die unzureichende Notentwässerung an den Grabenrinnen, mit der Folge, dass das Stauwasser über das obere Ende der Rinnen in die Konstruktion gelaufen ist,

  • die mangelhaft ausgeführte Luftdichtheitsschicht im Bereich der Grabenrinnen, mit der Folge eines schädlichen Tauwasserausfalls in der Konstruktion

  • und

  • eine erhöhte Tauwasserakkumulation unter der Metalldacheindeckung durch Absenkung der Oberflächentemperaturen, verbunden mit einem nicht ausreichenden Austrocknungsvermögen der Holzwerkstoffplatten in den Sommermonaten.


Grundsätzlich sind flach geneigte Konstruktionen aus Holz mit einer zwischen den Sparren liegenden Wärmedämmschicht mit dem Risiko behaftet, dass derartige Konstruktionen in feuchtetechnischer Hinsicht eine sehr niedrige Fehlertoleranz aufweisen. Daher sind erhöhte Planungsaufwändungen erforderlich. Insbesondere beschattete oder wie im vorliegenden Fall, auch teilbeschattete Flächen, wie z.B. durch Photovoltaikanlagen sind kritisch und müssen spezifisch überprüft werden. Hinzu kommt noch, dass bei fehlerhaften luftdichten Anschlüssen gasförmiger Wasserdampf durch Strömung (Konvektion) unter die Blechdeckung gelangt und dort akkumuliert. Dieser Tauwasseranfall, zusammen mit dem nachfolgenden beschriebenen Tauwasseranfall, führen zusammenwirkend zur vollkommenen Zerstörung der Holzwerkstoffplatten.


Wärmegedämmte unbelüftete Dachkonstruktionen sind mit dem Risiko behaftet, dass bei der Absenkung der Oberflächentemperaturen sich ein erhöhter Tauwasserausfall einstellt. Durch die hohe über einen längeren Zeitraum anhaltende Materialfeuchte im Holz in Verbindung mit einem nicht ausreichenden sommerlichen Austrocknungsvermögen ist eine Austrocknung des Daches faktisch von vornherein nicht möglich. Die im Holz verbleibende Feuchte sowie die in den Wintermonaten zusätzlich entstehende Diffusionsfeuchte führen im Zusammenwirken zur Zerstörung der Tragschale der Blechdeckung.


Aus technischer Sicht ist der Totalschaden des Daches auf ein Planungsversagen des Architekten zurückzuführen. Bei derartigen gefährdeten Dachkonstruktionen muss von einem Planer erwartet werden können, dass er ein solch risikoreiches Dach situationsgerecht plant. Für einen Planer ist es bei seinen Kenntnissen voraussehbar gewesen, dass eine dauerhaft auf die Tragschale einwirkende Durchfeuchtung zwangsläufig zu einer Kompostierung derselben führt. Ebenso ist es aus technischer Sicht voraussehbar gewesen, dass die innenliegenden Rinnen ohne funktionstaugliche und fehlerhaft geplanter Sicherheitsrinnen zu einem Versagen der Entwässerung und mithin zum einem Überfluten des Daches führen. Eine Planung, die derartige bauphysikalischen Gesetzmäßigkeiten nicht beachtet und solche Überlegungen angesichts der örtlichen Verhältnisse der Dachkonstruktion anstellt, ist technisch als fehlerhaft zu beurteilen.


Daher empfehle ich sämtliche Funktionsschichten eines Daches zunächst isoliert und dann im Zusammenhang bzw. im Zusammenwirken zu betrachten.

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